Chagall im Thyssen von Madrid
Die Ausstellung des Augenblicks geht von Winterende bis Frühlingsanfang, vom 14. Februar bis zum 20. Mai um konkret zu sein, und findet im Madrider Museum Thyssen-Bornemisza mit einer umfangreichen Retrospektive eines Malers statt, der in den öffentlichen Sammlungen Spaniens kaum vertreten ist: Marc Chagall (1887-1986).

Der Künstler (wie auch das gewöhnliche Induviduum) ist immer ein mehr oder weniger erfolgreiches Kind seiner Zeit; dies könnte man auf jeden Fall anwenden auf das Leben dieses weissrussischen Dorfbewohners, Juden und ältesten Sohns einer zahlreichen Familie, wie sie heutzutage selten sind (sie waren neun Brüder). Der junge Marc erhält eine malerische Ausbildung in Sankt Petersburg und, als die Russische Revolution ausbricht, engagiert er sich so aktiv innerhalb des neuen politischen Modells, dass er sogar ein Amt in seinem Geburtsort erhält. Bedauerlicherweise bestrafen die revolutionären Prozesse mit der Zeit jene, welche es wagen die brutalen Methoden der herrschenden Orthodoxie in Frage zu stellen und Chagall sieht sich gezwungen, aufgrund von Differenzen mit der Oligarchie 1923 sein Land zu verlassen. Nach einem Aufenthalt in Berlin lässt er sich in Paris nieder, dem Zentrum der intellektuellen, künstlerischen und philosophischen Bewegungen jener Zeit. Er bewegt sich zwischen Montmartre und Montparnasse, wo er mit den historischen Avantgarden und schwierig zuzuordnenden Malern wie Amadeo Modigliani in Kontakt kommt. Aus diesem kulturellen Reibung resultieren seine ersten Malereien, in denen Bezüge zum Kubismus, Fauvismus und vor allem dem Surrealismus zu sehen sind, eine Inspirationsquelle von der er sich nicht mehr trennen wird. Natürlich fügt er dem, so wie es allen auβergewöhnlichen Künstlern entspricht, seine speziellen Interpretation hinzu. Die Ruhe für den reifen Chagall wird unterbrochen mit dem Vormarsch der Nazitruppen auf französischem Gebiet. Aus einer jüdischem Familie kommend und mit tiefen religiösen Überzeugungen, sieht er sich ein weiteres Mal gezwungen ins Exil zu gehen: dieses Mal in die Vereinigten Staaten. Die Ruhe dort erleichtert die Arbeit und die Vertiefung in sein eigenes malerisches Universum. Später richtet er sich bequem in der Provence ein, wo er mit mehr als achtundneunzig Jahren auch stirbt.
Die Malerei von Marc Chagall wurde aufgrund ihres starken, traumhaften und symbolischen Ausdrucks (erinnern wir uns, dass die Welt der Träume die verlorene Sprache der universellen Symbole spricht) umfangreich durch die analytische Schule von C.G. Jung untersucht (vor allem durch Aniela Jaffé). In ihr wiederholen sich die Motive des Mondes, der Sonne, des Fisches, des Fluβes und der Pferde (Symbolisierung der unbewussten, unkontrollierten Kräfte) die Teil des kollektiven, symbolischen Erbes sind.
Chagall ist kaum vertreten in öffentlichen spanischen Sammlungen und so verfügt das Thyssen-Bornemisza Museum in Madrid mit vier Bildern schon über eine vergleichsweise gröβere Anzahl an Werken dieses einzigartigen Künstlers. Mit dieser Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Fundación Caja Madrid organisiert wird (ich stelle euch den Link hier hinzu: http://www.museothyssen.org/thyssen/exposiciones_proximas ), möchten die Organisatoren eine groβe Retrospektive zeigen, die Bilder aus allen Epochen Chagalls beinhalten. Ohne Zweifel ist dies eine besondere Gelegenheit, das Werk dieses einzigartigen Malers in der Kunstgeschichte kennen zu lernen, welches zu gleichen Teilen durch Religiösität und Mythos geprägt wurde.
Wie es nicht anders sein könnte, kommen Touristen aus allen Teilen der Welt um diese Ausstellung zu sehen. Wenn du nicht in der spanischen Hauptstadt wohnst, dann denk daran für deinen Aufenthalt eines der appartments in Madrid zu reservieren.







